Nicolas Gombert 2013

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Nicolas Gombert (Plakat)

"Nicolas Gombert (* um 1495 in La Gorgue bei Lille (?); † um 1560 in Tournai) war ein franko-flämischer Komponist, Kapellmeister und Sänger der Renaissance."


"Werke: Gombert komponierte hauptsächlich geistliche Chormusik, wobei die Motette seine bevorzugte Kompositionsform war. 1539 und 1541 erschienen vier Bücher mit vier- und fünfstimmigen Motetten Gomberts im Druck. Da der Notendruck damals sehr aufwendig, teuer und in dieser Zeit überhaupt erst möglich geworden war, kann man davon ausgehen, dass Gombert von seinen Zeitgenossen als Komponist hoch geschätzt war. Neben diesen vier Büchern (die, wie damals üblich, in Stimmen und nicht in Partitur gedruckt wurden) sind weitere Motetten in Sammlungen und Handschriften überliefert.


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Gombert komponierte ferner neun Messen (acht davon sind überliefert), von denen eine vermutlich 1530 bei der Krönung Karls V. in Bologna aufgeführt wurde. Überliefert sind ausserdem acht Magnificats sowie in Sammeldrucken etliche weltliche Lieder (Chansons).

Gombert war zu Lebzeiten ein berühmter Komponist, dessen Werke auch noch von den nachfolgenden Generationen hoch geschätzt wurden. So komponierte Claudio Monteverdi noch 1610 eine sechsstimmige Messe im Stil Gomberts. Trotz der herausragenden Qualität seiner Musik ist Gombert heute praktisch vergessen."


"Stil: Wer zum ersten Mal ein Werk von Gombert hört, wird sehr wahrscheinlich den Eindruck eines sich schwermütig dahinbewegenden dunklen Klangstroms haben, und in der Tat entspricht seine Musik kaum dem, was man von Vokalmusik der Renaissance gewohnt ist und erwartet. Besonders deutlich wird dies auch im Vergleich zur Musik von Gomberts vermutlichem Lehrer Josquin Desprez.

Schliesslich schwingt in der Schwermütigkeit von Gomberts Musik das Lebensgefühl seiner Zeit mit: Der anfängliche Optimismus der Renaissance und des Humanismus bekam in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts tiefe Risse durch die Plünderung Roms (Sacco di Roma, 1527), durch die Kirchenspaltung und die sich daran anschliessenden Konflikte, die bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts andauern sollten. Die Menschen empfanden sich als "in die Welt hineingeworfen" und den in ihr wirkenden Kräften ausgeliefert, kaum etwas erschien sicher - also durchaus ein "modernes" Lebensgefühl."

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